Eigene Webseite

Eigene Homepage mit WordPress (Teil 1): Warum mein WordPress nicht im Internet steht

WordPress-Webseite im Browserfenster, verbunden mit einer Synology NAS neben einem Haus – WordPress läuft zu Hause statt beim Webhoster

Ich wollte eine eigene Website. Kein gemietetes Webhosting, keine Baukasten-Seite mit fremdem Logo unten im Footer, sondern WordPress – das kenne ich, das kann fast jeder bedienen. Eine Synology steht bei mir sowieso im Keller, und WordPress lässt sich darauf mit ein paar Klicks installieren. Also einfach freigeben und fertig? Genau das habe ich nicht gemacht. In diesem ersten Teil der Serie erkläre ich, warum, und wie meine Website stattdessen ins Netz kommt.

Kurz gesagt: WordPress läuft bei mir nur zu Hause auf der Synology und ist von außen nicht erreichbar. Ins Internet geht eine fertige Kopie aus reinen HTML-Dateien, die Cloudflare kostenlos ausliefert. Laufende Kosten: nur die Domain, bei mir 12 Euro im Jahr bei Strato.

Das Ziel

Meine Anforderungen waren schnell aufgeschrieben:

  • Schreiben in WordPress, mit dem gewohnten Editor.
  • Kein gemietetes Webhosting und keine monatlichen Gebühren außer der Domain.
  • Kein Sicherheitsrisiko für das, was sonst noch auf meiner Synology liegt.
  • Schnell und zuverlässig, auch wenn zu Hause mal der Strom oder das Internet weg ist.

Auf den ersten Blick passen „kein Webhosting“ und „kein Risiko“ nicht zusammen. Wer keinen Server mietet, muss die Seite ja irgendwo selbst betreiben. Der Trick ist, Schreiben und Ausliefern voneinander zu trennen.

Warum WordPress bei mir nicht öffentlich im Netz steht

Auf meiner Synology liegen rund 40 TB private Daten: Fotos aus vielen Jahren, Dokumente, Sicherungen. Genau dieses Gerät direkt ins Internet zu stellen, damit jeder meine Website aufrufen kann, hat sich für mich falsch angefühlt – und nach etwas Lesen war klar, dass das Gefühl stimmt.

WordPress gehört zu den am häufigsten angegriffenen Systemen im Netz, einfach weil es so verbreitet ist. Jede öffentliche WordPress-Seite wird rund um die Uhr automatisch abgeklopft: Anmeldeseite, bekannte Lücken in Plugins, alte Versionen. Das heißt nicht, dass WordPress unsicher ist. Es heißt aber: Wer es öffentlich betreibt, muss sich ständig um Updates, Sicherheits-Plugins und Überwachung kümmern. Und wenn doch einmal etwas durchrutscht, steht der Angreifer nicht auf irgendeinem gemieteten Server, sondern auf dem Gerät mit meinen Familienfotos.

Dazu kommt die Verfügbarkeit. Wenn die Synology ein Update einspielt und neu startet, der Router hängt oder der Strom kurz weg ist, wäre auch die Website weg. Für Besucher ärgerlich, und Google mag Seiten, die mal da sind und mal nicht, auch nicht besonders.

Telekom mit DS-Lite: Portfreigabe geht sowieso nicht

Selbst wenn ich gewollt hätte: Mein Telekom-Anschluss läuft mit DS-Lite. Das bedeutet, mein Anschluss hat keine eigene öffentliche IPv4-Adresse, sondern teilt sie sich mit anderen Kunden. Die klassische Anleitung „im Router Port 80 und 443 auf die Synology freigeben“ läuft damit ins Leere – die Anfragen von außen kommen schlicht nicht bei mir an.

Es gibt Umwege, etwa über IPv6 oder einen Tunnel-Dienst. Für Home Assistant nutze ich selbst so einen Tunnel. Für die Website hätte das aber wieder genau das bedeutet, was ich vermeiden wollte: WordPress wäre von außen erreichbar. Ob du DS-Lite hast, siehst du übrigens in der Übersicht deines Routers, bei der Fritzbox zum Beispiel unter Internet → Online-Monitor.

Das Prinzip: Redaktion zu Hause, Schaufenster bei Cloudflare

Eine Website besteht für Besucher am Ende nur aus fertigen Seiten: Text, Bilder, Gestaltung. Dass WordPress diese Seiten bei jedem Aufruf neu zusammenbaut, braucht man eigentlich nur beim Schreiben. Also lasse ich WordPress die Seiten einmal fertig bauen, speichere das Ergebnis als ganz normale HTML-Dateien und stelle nur diese Kopie ins Netz.

Ich stelle mir das wie ein Geschäft vor: Die Werkstatt mit allen Werkzeugen ist hinten und abgeschlossen. Vorne im Schaufenster liegt nur das fertige Stück. Wer davorsteht, kann es ansehen, kommt aber nicht in die Werkstatt.

Schaubild: WordPress als „Werkstatt“ zu Hause auf der Synology – ins Internet geht nur die fertige Kopie der Webseite

So kommt bei mir ein neuer Artikel ins Netz:

  1. Schreiben: Ich schreibe den Artikel in WordPress auf der Synology – nur im Heimnetz erreichbar.
  2. Abholen: Ein kleines Skript auf meinem Mac holt alle Seiten als fertige HTML-Dateien ab und räumt sie auf.
  3. Hochladen: Das Skript lädt die Dateien in ein privates Projekt bei GitHub.
  4. Ausliefern: Cloudflare holt sich die neue Fassung von dort und stellt sie nach etwa einer Minute unter meiner Domain online.

Das Ganze passiert jeden Morgen automatisch. Wenn es schneller gehen soll, reicht ein Doppelklick auf dem Mac.

Was du dadurch gewinnst

  • Nichts zum Angreifen. Online gibt es keine Anmeldeseite, keine Datenbank und kein PHP. Es liegen dort nur Dateien.
  • Keine Sicherheits- und Cache-Plugins. Die braucht eine Seite aus fertigen Dateien schlicht nicht.
  • Schnelle Ladezeiten. Cloudflare liefert die Seiten aus Rechenzentren in deiner Nähe aus.
  • Unabhängig von zu Hause. Die Website bleibt online, auch wenn die Synology gerade neu startet oder das Internet zu Hause ausfällt.
  • Geringe Kosten. Cloudflare Pages und GitHub sind in der Grundversion kostenlos. Bezahlen musst du nur die Domain.

Was du dafür in Kauf nimmst

Ehrlich gesagt hat der Weg auch Nachteile. Die solltest du kennen, bevor du loslegst:

  • Nichts, was zur Laufzeit rechnet. Kontaktformulare, WordPress-Kommentare oder eine eingebaute Suche funktionieren auf einer reinen HTML-Seite nicht ohne Weiteres. Dafür braucht es andere Lösungen, auf die ich später eingehe.
  • Änderungen sind nicht sofort sichtbar. Was du in WordPress speicherst, erscheint erst nach dem nächsten Hochladen online.
  • Der Mac muss mitspielen. Bei mir startet das Hochladen morgens um 8 Uhr. War der Mac da zugeklappt, passiert an diesem Tag nichts, bis ich von Hand hochlade.
  • Einmal Arbeit beim Einrichten. Bis alles rund lief, bin ich über einige Stolpersteine gefallen. Genau die beschreibe ich in dieser Serie, damit es bei dir schneller geht.

Was du brauchst

  • Eine Synology, auf der das WordPress-Paket läuft. Es muss kein großes Modell sein, WordPress ist hier nur das Schreibwerkzeug.
  • Eine eigene Domain. Meine liegt bei Strato und kostet mich 12 Euro im Jahr. Sie bleibt dort, nur die DNS-Verwaltung zieht zu Cloudflare um.
  • Ein kostenloses Konto bei Cloudflare für Cloudflare Pages.
  • Ein kostenloses Konto bei GitHub als Zwischenstation für die Dateien.
  • Einen Mac, der das Abholen und Hochladen übernimmt. Mit etwas Anpassung geht das auch auf anderen Rechnern, ich beschreibe aber den Weg auf dem Mac.

So geht die Serie weiter

  1. Die Idee – dieser Artikel
  2. WordPress auf der Synology installieren und richtig einstellen
  3. Das Design: vom Baukasten-Theme zum eigenen Theme
  4. Aus WordPress wird eine statische Website: zwei Wege im Vergleich
  5. Ab ins Netz: GitHub und Cloudflare Pages
  6. Fit für Google: Was eine statische Seite unbedingt braucht
  7. Google Search Console einrichten

Einen Stolperstein aus Teil 4 habe ich schon vorab aufgeschrieben, weil es dazu auf Deutsch so gut wie nichts gab: Simply Static auf der Synology: „Unable to access destination directory“ – die Lösung.

Fazit

WordPress muss nicht im Internet stehen, damit deine Website dort steht. Wenn du die Redaktion zu Hause lässt und nur eine fertige Kopie veröffentlichst, bekommst du eine schnelle, sichere Seite ohne gemietetes Webhosting – und deine privaten Daten bleiben, wo sie hingehören. Im nächsten Teil installieren wir WordPress auf der Synology und stellen gleich am Anfang die Dinge richtig ein, die ich erst später mühsam korrigieren musste.

Du überlegst, ob dieser Weg für dich passt, oder hängst bei deinem eigenen Setup mit Synology und WordPress fest? Schreib mir – genau bei solchen Fragen helfe ich gern weiter.

Das ist Teil 1 meiner Serie. Im nächsten Teil geht es um die Installation von WordPress auf der Synology und die wichtigsten Einstellungen: Weiter mit Teil 2.

  • Teil 1: Warum mein WordPress nicht im Internet steht (du liest gerade diesen Teil)
  • Teil 2: WordPress auf der Synology installieren und richtig einstellen